Geschäfte werden, wie alles in unserem Leben, schneller und schneller. Schnellere Prozesse, schnellere Lieferung, schnellere Innovation sowie schnellere Adaptierung. Auch die Aufgabe vermeintlicher Innovation spiegeln die Realität, in der wir alle leben, wider.

Geschäftsführer leiten schnelle Unternehmen mit schnellen Geschäftsmodellen, um Kunden zu gewinnen und versuchen dabei, zugleich mit diesen dynamischen Kunden wie auch der störenden Konkurrenz Schritt zu halten oder ihr gar einen Schritt voraus zu sein. Da sie die Konkurrenz nicht verlangsamen können, ist eine eigene hohe Geschwindigkeit die einzige Option in diesem Wettlauf.

Bimodale IT befürwortet zwei Geschwindigkeiten, wobei Unternehmen dazu gezwungen sind nur eine zu kennen – die Hohe!

Warum hohe Geschwindigkeit?

Hauptsächlich führen drei Faktoren dazu, dass Unternehmen schnell agieren (müssen):

Hyper-Adaptierung und Hyper-Aufgabe

In einer Welt mit scheinbar endlos vielen Auswahlmöglichkeiten und extrem geringen Ein- und Austrittskosten sind Kunden schnell dazu bereit, Inhalte, Apps und Dienstleistungen auszuprobieren, zu benutzen und ebenso schnell wieder zu verwerfen. Diese beschleunigte Dynamik verändert Kundenbeziehungen grundlegend.

Erodierende Loyalitätsstrukturen

Die Loyalität gegenüber einer Marke wird immer unbeständiger. Kunden haben das Ziel, das für sie jeweils beste Geschäft herauszuschlagen. Sie wollen gleichzeitig up-to-date sein, was Mode und Technik angeht und werden dabei durchgehend von gesellschaftlichen Anregungen beeinflusst. Somit ändern sich auch die Formen, mit denen man den Kampf um Herz, Kopf und Ausgaben der Kunden führt – und letztlich vielleicht gewinnt.

Normalisierung der digitalen Erschütterung

Kleine Start-ups waren schon (immer) und sind noch immer in der Lage, den Markt zu erschüttern und zu verändern. Diese Erschütterungen waren vielleicht mal ärgerlich und manchmal wirkungsvoll, aber in der Regel von beschränkter Reichweite oder Dauer. Diese Zeiten sind vorbei, denn auch traditionelle Marktführer sind nun in der Lage, schnell zu agieren und solche Erschütterung hervorzurufen. Dies ist nun der normale Ablauf schneller Märkte, sodass Unternehmen mit mäßigem oder gar langsamem Tempo in die Ecke gedrängt werden können.

Bimodale IT?

Bimodale IT operiert mit zwei Geschwindigkeiten: schnell für digitale und langsam für traditionelle IT. Im Wesentlichen wird argumentiert, dass digitale Technologie schnelle Marktdynamik adressiert und traditionelle IT isoliert und frei dem Status quo folgt.

Minimaler Kundenwert

Nahezu jede Technologie liefert direkten oder indirekten Kundenwert. Lieferkettensysteme sind lebensnotwendig für Produkteinführungszeiten und Verwirklichung der Unternehmensziele. Finanz-Software muss in der Lage sein, Preisänderungen zu konfigurieren und Bestände zu verfolgen, um dem Unternehmen zu ermöglichen, mit der Geschwindigkeit des Marktes zu agieren. Dementsprechend muss auch die analoge und nicht nur die digitale Welt schnell sein, um einen minimalen Kundenwert maximal ausschöpfen zu können.

Unnötige Komplexität

Eine der größten Herausforderungen bimodaler IT ist, dass sie es vermeidet, alle Teams in einen schnellen Modus zu verschieben. Im Wesentlichen ist dies einfacher als eine vollständige Transformation der Geschäftstechnologie. Aber diese kurzfristige Bequemlichkeit führt zu außerordentlicher Komplexität. Man verwaltet zwei Teams mit zweierlei Kulturen, die unterschiedliche Ziele, Kulturnormen, Herangehensweisen des Talent Managements etc. haben.

Abgekoppelte Geschäftspartner

Seit vielen Jahren hat die IT den Ruf langsam zu sein. Entscheidender und dringender technologischer Bedarf gelangt erst einmal in eine Warteschlange, die statt mit der Geschwindigkeit schneller Märkte mit der Geschwindigkeit traditioneller IT abgearbeitet wird. Absichtliches langsames Verschlüsseln ist ein Fehler, der ein klares Zeichen setzt, dass der CIO seine Geschäftsumwelt nicht versteht.

Schnell? Wie geht das?

Auf schnell zu wechseln ist nicht einfach, aber Marktführer stürmen voran. Die Strategie beruht darauf, den Wandel kultureller Normen, menschlicher Wünsche und Bedürfnisse sowie des Betriebsmodells in einem zusammenhängenden Schritt zu vollführen.

Der Kunde als Polarstern des Wandels

Unsicheren Teams zu sagen, dass das Ziel sei, schnell zu agieren, wird keine Früchte tragen. Ihnen Einsicht in die Realität der heutigen Kunden und Start-ups zu geben, gibt der Notwendigkeit für Schnelligkeit ein Gesicht und vermittelt die kundenzentrierte Kultur des heutigen Marktes.

Auf die richtigen Leute bauen

Nicht jeder will oder kann schnell sein. CIOs müssen Programme zum Rekrutieren und Lernen sowie Anreize schaffen, um bestehende Teams auf Schnelligkeit auszulegen. Zudem müssen sie ebenso schnell Talente aus anderen Märkten heranziehen, um das Team zu stärken. Das Team des CIO muss die Transformation anführen, um unternehmensinterne Uneinigkeit zu vermeiden, welche Teams und Leistung behindert oder gar zunichtemacht.

Prozesse auf Geschwindigkeit auslegen

Auf Geschwindigkeit zu wechseln erfordert die Umgestaltung von Prozessen und in manchen Fällen den Wandel der Philosophie von Prozessentwürfen. Traditionelle IT-zentrierte Prozesse sind so gestaltet, dass sie Risiken minimieren, da die Branche es so erwartete. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Der Prozessentwurf wechselt zum Modell des schnellen Lernens, bei dem Geschwindigkeit wichtiger ist als Perfektion.

Niemand sagt, dass es einfach sei, auf einen durch den Kunden geführten Markt, in dem Disruption zur Norm gehört, zu antworten. Es ist harte Arbeit bzw. eine schwere Transformation, die aber zu kraftvolleren und strafferen Geschäften führt. Nach vollkommen abgeschlossener Transformation glänzt der CIO. Geschieht die Transformation jedoch nur partiell, gerät der CIO ins Taumeln und verblasst.

Es ist also an der Zeit, das Leben in der schnelllebigen Zeit vollkommen zu umarmen.

Beitrag von Adrian Wojtynek (Digitaler Pott)