Interview mit Stefan Wirtz, Anwendungsentwickler und Workflow-Optimierer von Code Piraten

„Der Vorteil liegt in der einfachen Bedienbarkeit trotz hoher Komplexität.“

Stefan, aus welcher Situation heraus hast du Code Piraten gegründet?

In der Vergangenheit habe ich immer wieder Ideen für Anwendungen entwickelt, die ich dann auch digital umgesetzt habe. Dem wollte ich auch nach außen den professionellen Rahmen geben, der den Projekten innewohnt. Neben meiner Tätigkeit bei den Code Piraten, einer Unternehmergesellschaft, arbeite ich noch in Teilzeit als Angestellter für ein anderes Unternehmen.

Bist du allein unterwegs oder hast du den Start der Firma direkt mit weiteren Partnern oder Mitarbeitern hingelegt?

Code Piraten habe ich gemeinsam mit Patrick Seiferth, einem ehemaligen Arbeitskollegen gegründet. Er arbeitet noch in der Firma, in der wir uns kennengelernt und viele Projekte gemeinsam durchgeführt haben – innerhalb wie außerhalb des Unternehmens. Wir lieben das, was wir tun, aber kamen an den Punkt, wo wir sagten, wir wollen das in eine Form gießen.

Mit welchen Angeboten geht Code Piraten denn in den Markt?

Zum einen setzen wir auf die rein individuelle Software-Entwicklung. Soll ein Kundenproblem gelöst werden, schauen wir es uns an und bieten nachfolgend eine maßgeschneiderte Lösung an, die wir für das Unternehmen entwickeln – basierend auf Webtechnologie.

Zum anderen haben wir in der Vergangenheit zwei Lösungen entwickelt, die wir nun verstärkt als SAS-Lösung anbieten – ein System also, bei dem der Kunde sich anmeldet und nur für die monatliche Nutzung bezahlt. Dazu zählen unsere Angebote Persoo.de und Clientoo.de. Bei Persoo handelt es sich um eine Lösung, mit der speziell im Event-Bereich das Personal, also Promoter, Security oder Gastro-Servicekräfte, gemanaged wird. Gleichzeitig ist in Persoo auch ein Gästemanager integriert, der die Anmeldung, die Verwaltung und das Check-in der Gäste ermöglicht. Der Vorteil liegt in der einfachen Bedienbarkeit trotz hoher Komplexität.
Clientoo haben wir für Selbstständige kreiert, die schnell Rechnungen schreiben wollen, nachvollziehen möchten, wer wann gezahlt hat und über eine Export-Funktion auf Knopfdruck Analysen erstellen oder den Steuerberater informieren wollen. Auch das Handling von Angeboten, Verträgen, Beschreibungen und deren Verknüpfung untereinander wird über das System abgebildet. Ebenso kann der Kunde direkt über einen per E-Mail an ihn versendeten Link beauftragen. Das gesamte System arbeitet dabei vollverschlüsselt und unserer Server stehen in Deutschland.

Nenn uns doch mal eins deiner bisher erfolgreichsten oder auch spannendsten Projekte und beschreib bitte den Mehrwert, den der Kunde dadurch erfahren hat.

Da komme ich noch einmal auf Persoo zurück und den Einsatz dieser Lösung bei unserem Initial-Kunden Rü-Oktoberfest in Essen, bei dem über 2.000 Einsatz-Slots verplant wurden.

Vielfach wird im Event-Bereich noch mit WhatsApp, Facebook-Gruppen und Excel-Tabellen sowie ständigen händischen Abgleichen gearbeitet. Das ist sehr aufwendig und fehleranfällig. Ähnlich verlief es vorher auch beim Rü-Oktoberfest. Der Veranstalter hatte bis dato die Informationen aus den Bewerbungsgesprächen mit den potenziellen Arbeitskräften immer in riesige Excel-Tabellen mit zehn oder mehr Spalten zu den Details jeder Person überführt, ein Filtern war quasi nicht möglich. Das System funktionierte zwar, war aber von sehr hohem Aufwand geprägt.

Mit Persoo hingegen konnte die Arbeit ganz anders aufgeteilt werden: Das Personal wird per E-Mail eingeladen, sich am System anzumelden, um sich für die Veranstaltung zu bewerben und selbst alle wichtigen Daten einzutragen oder zu pflegen, zum Beispiel Stammdaten, Einsatzgebiete, Urlaubstage oder favorisierte Arbeitstage. Damit fallen schon viele Abstimmungsprozesse komplett weg. Der Planer kann auch einzelne Slots über dieses Prinzip besetzen und fragen, wer von 12:00 bis 15:00 Uhr Service machen möchte. Wenn sich dann z. B. fünf bewerben, kann er ganz einfach per Klick jemanden aussuchen. Alternativ kann er aber auch direkt jemanden auswählen, von dem er über das System weiß, dass diese Person Zeit hat und die gewünschten Fähigkeiten besitzt. Der Mitarbeiter wird informiert, bestätigt den Einsatz und findet diesen dann auch in seinem eigenen Plan und auf Wunsch auch in seinem Smartphone-Kalender wieder. In einer filterbaren Übersicht kann der Planer immer einsehen, wie der Stand der Personalplanung ist. Lästige Medienbrüche, wie sie bei der Nutzung von E-Mail, Telefon, WhatsApp oder Facebook auftreten, fallen komplett weg.

Aber zu einem Event gehören nicht nur das Personal, sondern natürlich auch die Gäste! Hierfür bilden wir im Gäste-Manager von Persoo die vom Veranstalter gewünschten Informationen ab, die dann z. B. auf seiner Website oder einer Microsite einsehbar sind. Das Formular für die Gäste-Anmeldung kann sich der Veranstalter nach Belieben zusammenbauen, je nachdem, welche Informationen er benötigt. Nach wenigen weiteren Anmeldungsschritten kann dann die Einladung mit QR-Code versendet werden, die dann wiederum am Eingang gescannt wird. Bei Bedarf kann auch die Schnittstelle zu einem CRM-System genutzt werden. Auf diese Weise plante die Privatbrauerei Stauder mit dem Gästemanagement ihre Veranstaltungen im Jubiläumsjahr.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung den KMU aus deiner Sicht?

Ich sehe hier vor allem zwei Vorteile: Erstens erhalten kleine und mittlere Unternehmen durch neue Kundenmanagement- und Kommunikationssysteme die Möglichkeit, ihren Kontakt zu Bestandskunden zu verbessern und den zu Neukunden zu vereinfachen. Zweitens bieten Automatisierungsprozesse die Möglichkeit, sehr viel Arbeitszeit an der einen Stelle einzusparen und sie an anderer Stelle sinnvoller zu nutzen. So könnte ein Unternehmen als Ergebnis zum Beispiel seine Preisflexibilität erhöhen und so die eigene Wettbewerbsstärke ausbauen oder aber auch in die Qualitätssteigerung der Produkte investieren.

2018-11-29T17:57:38+00:00