Interview mit Dr. Christina Czeschik, Ärztin, Medizininformatikerin und Fachautorin

"Die Digitalisierung ermöglicht es KMU, die Reichweite für ihre Produkte und Dienstleistungen dramatisch zu erhöhen."

Christina, aus welcher Situation heraus hast du Intellicore gegründet?

Seit Herbst 2015 betreibe ich freiberuflich unter dem Namen Serapion eine Fachredaktion für E-Health und Informationssicherheit - zunächst in Teilzeit, dann in Vollzeit. In diesem Rahmen – und auch vorher – habe ich zum Beispiel auch Bücher geschrieben und mit etablierten Verlagen zusammengearbeitet. Eine freiberufliche Tätigkeit hat aber Grenzen – so konnte ich beispielsweise keine Bücher selbst verlegen und die Tätigkeiten nur sehr eingeschränkt delegieren, also keine richtige Agentur gründen. Also brauchte ich eine andere Rechtsform, um diese Einschränkungen zu überwinden und wachsen zu können.

Hast du allein gegründet oder den Start der Firma direkt mit Partnern oder Mitarbeitern hingelegt?

Intellicore habe ich gemeinsam mit Matthias Lindhorst, Developer und IT-Consultant, gegründet. Wir haben eine fest angestellte Mitarbeiterin, Gudrun Donay, und ein mittlerweile gut eingespieltes Team von Freelancern aus den Bereichen Redaktion und Grafikdesign.

Mit welchen Angeboten geht Intellicore denn in den Markt?

Unter der Marke Intellicore Press (www.intellicore.press) bieten wir Fachredaktion und Grafikdesign für Unternehmen aus dem Tech- und IT-Bereich. Das können beispielsweise Artikel für Blogs und Fachzeitschriften sein, Whitepapers und E-Books, also jegliches Content Marketing, und auch Businesspläne und Pitch Decks.
Unsere fachlichen Schwerpunkte sind Digital Health, Informationssicherheit und Blockchain, und wir schreiben auf Deutsch und Englisch. Unsere zahlreichen internationalen Kunden werden von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit englischer Muttersprache betreut, und wir haben hier schon Projekte für Unternehmen in mehr als 30 Ländern umgesetzt.
Wir haben zudem eine Marktforscherin mit an Bord, die für viele Whitepapers und Businesspläne unserer Kunden bereits wertvolle Hintergrundinformationen geliefert hat.
Ich denke, unsere Kunden schätzen an unseren Angeboten, dass sie keine Zeit damit verschwenden müssen, uns ihre Technologien und Geschäftsmodelle zu erklären. Wir steigen direkt auf einem hohen fachlichen Niveau ein und beginnen, die Zielgruppe des jeweiligen Dokuments zu analysieren, um diese so passgenau wie möglich anzusprechen.
Zudem legen wir hohen Wert auf Qualität und Termintreue. Das klingt selbstverständlich – wir sind aber schon häufig dazugerufen worden, um Projekte zu retten, bei denen andere, preiswertere Dienstleister, beispielsweise von den gängigen Online-Plattformen, mangelhaft oder zu spät geliefert haben, und oft auch beides.

Nenn uns doch mal zwei deiner bisher erfolgreichsten oder auch spannendsten Projekte und beschreibe bitte den Mehrwert, den der Kunde dadurch erfahren hat.

Ein spannendes Projekt haben wir für das Unternehmen Bob’s Repair mit Sitz in Las Vegas umgesetzt: ein Whitepaper mit dem Ziel, Krypto-Investoren anzuwerben. Es handelt sich bei Bob’s Repair um einen Marktplatz für Handwerker-Dienstleistungen mit Treuhänder-Service. Der Endkunde soll so die Möglichkeit erhalten, dass sein eingezahltes Geld erst nach Erbringen der vereinbarten Leistung durch den Handwerker an diesen weitergereicht wird. Dies sollte mittels der Blockchain-Technologie umgesetzt werden. Während sogenannte Initial Coin Offerings, bei denen Investoren sich per Kryptowährung an der Entwicklung eines Unternehmens beteiligen, bald wegen unseriöser Angebote in Verruf gerieten, hielt Bob’s Repair sich an alle geltenden Gsetze und Vorschriften und ist weiterhin erfolgreich am Markt in den USA. Auch mit Hilfe unseres Whitepapers wurden insgesamt mehr als 11 Millionen USD an Kapital für die Expansion des Unternehmens über Las Vegas hinaus eingesammelt. Zudem haben wir bei der Entwicklung des Whitepapers das Geschäftsmodell und die Anwendungsbereiche der Technologie so intensiv mit dem Kunden diskutiert, dass wir schließlich gemeinsam festgestellt haben, dass die Verwendung eines anderen Blockchain-Frameworks als des ursprünglich geplanten eine effizientere Umsetzung der technologischen Plattform ermöglichen würde.
Wir haben zudem eine ganze Reihe von Kunden aus dem Bereich Informations- und IT-Sicherheit. Einer dieser Kunden hat einen völlig neuen Algorithmus entwickelt, der es ermöglicht, auch an verschlüsselten Daten gewisse statistische Analysen durchzuführen. Hierfür ist es sonst eigentlich notwendig, die Daten zu entschlüsseln, was einerseits ein Sicherheitsproblem darstellen kann und andererseits auch zu einer Zeitverzögerung führt, die die User in vielen Anwendungen nicht akzeptieren würden. Die Technologie unseres Kunden war also wirklich innovativ und hatte großes Potenzial in gleich mehreren Industrien. Die Herausforderung war, die Technologie so darzustellen, dass einerseits ihre Einzigartigkeit und die zu erwartenden Benefits klar wurden, aber die Leserin und der Leser andererseits nicht durch technische Details überfordert wurde. Wir haben insgesamt drei Whitepapers geschrieben, die auf die jeweilige Leserschaft in den drei für den Kunden wichtigsten Industrien zugeschnitten war, darunter das Gesundheitswesen.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung den KMU?

Die Digitalisierung ermöglicht es KMU, die Reichweite für ihre Produkte und Dienstleistungen dramatisch zu erhöhen.
Im weltweiten Netz kann ein KMU eine fast unbegrenzte Leserschaft und damit Kundschaft erreichen, vorausgesetzt, dass es die eigene Expertise attraktiv und verständlich verpackt. Und hier sollte man nicht schüchtern sein und sein Licht unter den Scheffel stellen: Jedes Unternehmen, das lokal erfolgreich ist, verfügt über ein großes Arsenal an Erfahrungswerten zur Problemlösung bei seinen Kunden. Ganz oft ist dies ein ungehobener Schatz, weil sich niemand die Mühe macht, dieses Wissen niederzuschreiben, oder weil den Verantwortlichen sich dessen Wert gar nicht bewusst sind.
Und ein zweiter Aspekt: Im Netz kann man nicht nur eine überregionale und internationale Kundschaft anziehen – dies ist natürlich nicht für alle Geschäftsmodelle interessant – sondern sondern auch die lokale Kundschaft besser erreichen. Viele alteingesessene Geschäftsinhaber setzen immer noch auf Laufkundschaft und Printwerbung, aber jüngere Generationen – die nachwachsende Kundschaft – greift auch lokal immer häufiger auf das Internet zurück, um eine Auswahl zwischen verschiedenen Anbietern zu treffen.
Und schließlich bietet die Digitalisierung beste Chancen, die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf gelingen zu lassen. Fast alle unsere Mitarbeiter arbeiten remote, also aus der Ferne, von wenigen regelmäßigen Treffen abgesehen. Unserer Mitarbeiterin vor Ort, Gudrun, und mir hilft das, die Kinderbetreuung stressfrei zu organisieren – einer anderen Mitarbeiterin im Team hat dies beispielsweise ermöglicht, mit ihrem Ehemann nach China umzuziehen und trotzdem weiterhin für uns zu arbeiten. Diese persönliche Freiheit macht einfach mehr Freude an der Arbeit. Ich glaube, solche Modelle könnten noch in vielen anderen Unternehmen umgesetzt werden, die bisher einfach noch nicht ernsthaft darüber nachgedacht haben.

Vielen Dank für dieses Gespräch!