Interview mit Dr. Shabnam Fahimi-Weber, Geschäftsführerin der dubidoc - Takuta GmbH

„Die Patienten lieben die webgestützte Terminvergabe.“

Shabnam, aus welcher Situation heraus hast du Dubidoc entwickelt?

Zunächst habe ich vor 15 Jahren eine HNO-Praxis in Essen gegründet. Anfangs war ich dort allein, habe aber später Kollegen und auch andere Praxen noch mit dazu genommen. Das führte natürlich auch dazu, dass die Patientenströme immer größer wurden. Heute arbeiten wir mit neun Ärzten an 3 Standorten. Dieses Wachstum brachte vielerlei Prozessoptimierungswünsche mit sich. Das Hauptproblem konzentrierte sich auf die Anmeldung: Ständig ging das Telefon, gleichzeitig kamen andere Patienten telefonisch nicht durch. Auch die Terminierungen oder besser, die optimale Besetzung von Terminblöcken war schwierig, obwohl ich wirklich gut geschultes Personal habe. Da wünschte ich mir ein System, das mir einfach sagt, wie ich meine Termine am besten verteilen kann. Behandlungen und Beratungen können ja von ganz unterschiedlicher Dauer sein, je nachdem, um was es geht. Wenn ich ein solides Wissen habe, mit welchen Wünschen die Patienten zu mir kommen, lässt sich die jeweilige Termindauer gut berechnen. Das ist die Grundlage für die Planung. Und ich wollte, dass der Patient als aktiv Mitwirkender am System selbst an möglichst viele freigegebene Termine herankommt. Gleichzeitig sollten meine Mitarbeiterinnen am Empfang automatisch sehen können, welche Termine sich anbieten. Nehmen wir an, es geht um eine bestimmte Beratung, dann weiß das System, dass diese zum Beispiel 20 Minuten dauert und kann entsprechende Vorschläge automatisiert generieren. Es muss also nicht mehr nach nur mehr oder weniger adäquaten Lücken gesucht werden. Damit ist sowohl die Zeit des großen Papierkalenders als auch die des einfachen Computerkalenders für uns vorbei. Bevor es soweit war, habe ich mich anfangs auf dem Softwaremarkt umgeschaut, wurde aber nicht fündig. Dann baute ich einen Kontakt zu Prof. Dr. Matusiewicz auf, einem Spezialisten für die Digitalisierung im Gesundheitssystem an der FOM Hochschule in Essen. Wir haben Studien und Patientenbefragungen durchgeführt, 2016 ein Konzept für eine Software erstellt und dieses schließlich umgesetzt. Als Arzt muss ich anfangs einmal mein Profil anlegen und bestimmen, welche Behandlungen ich durchführe, wie lange ich dafür brauche, welche Anzahl welcher Behandlungen ich überhaupt machen möchte und wann ich dies tue.

Bist du allein unterwegs oder hast du den Start der Firma direkt mit weiteren Partnern oder Mitarbeitern hingelegt?

Ich habe die Firma Takuta, dessen Software-Lösung Dubidoc ja ist, gemeinsam mit Prof. Dr. Matusiewicz als wissenschaftlichen Berater gegründet. Dann haben wir zunächst einen Programmierer angestellt, etwas später auch einen Interface-Designer. Eine Arzthelferin hat zudem aus ihrer Sicht mit beraten, was das Interface und die Usability angeht. Nach gut einem Jahr der Software-Entwicklung und Programmierung haben wir Dubidoc dann zunächst in unserer eigenen Praxis eingesetzt, um weiter zu testen. Ab Oktober 2017 ging Dubidoc dann als SaaS-Lösung (Software as a Service, eine Form des Cloud-Computing, bei der die Nutzer über einen Browser auf die Anwendungen zugreifen) in den Markt.

Wie ist euer Marketing aufgestellt?

Wir arbeiten bereits mit einigen Multiplikatoren zusammen. Dazu zählen beispielsweise Verbände, die Ärzten bei ihrer Praxisorganisation und der Optimierung von Abläufen behilflich sind oder auch der HNO-Berufsverband. Ebenso kooperieren wir mit der Apotheker- und Ärztebank und auch einem zahnärztlichen Konsortium. Zudem haben wir kürzlich einen Vertrag mit einer großen Krankenkasse geschlossen. Bei all dem ist uns aber wichtig, dass wir keine fremden Inhalte transportieren oder verkaufen, sondern weiterhin mit einem „reinen“ Dubidoc die Ärzteschaft in ihrer Arbeitseffizienz unterstützen. Natürlich sind wir darüber hinaus auch bei Messen, Kongressen und Vorträgen präsent.

Welchen Mehrwert haben denn die Patienten, wenn ihre Ärzte Dubidoc nutzen?

Die Patienten lieben die webgestützte Terminvergabe. Denn der ganz große Vorteil für sie ist, dass sie immer und überall an ihre Arzttermine kommen. Das können sie ganz bequem auch abends von der Couch aus machen. Sie gehen einfach ins System. Und im Unterschied zu allen anderen Terminierungssystemen greifen Praxen und Patienten jeweils auf den gleichen Datensatz zu. Wird ein Termin frei, hat der Patient wirklich sofort Zugriff. Und nehmen wir mal an, eine Praxis ist über Wochen bereits ausgebucht, die Wartezeit ist also sehr lang. Es kann doch immer mal wieder sein, dass durch eine Absage wieder ein Termin frei wird. Die Patienten können das dann sofort sehen und zugreifen, vorausgesetzt, das freie Zeitfenster passt auch zur gewünschten Behandlung. Selbstverständlich gibt’s für jeden Termin auch eine entsprechende Bestätigung per E-Mail. Ein weiterer Pluspunkt: Meldet sich der Patient in der Praxis vor Ort am Empfang an, bekommt er einen Link, über den er die voraussichtliche Wartezeit abrufen kann.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aus deiner Sicht?

Zunächst einmal sehe ich, dass es für die Start-ups gar nicht so einfach ist. Aber gerade die sind es ja, die häufig innovative Lösungen erarbeiten, von denen die kleinen und mittleren Unternehmen letztlich profitieren. Oft sind es Finanzierungsprobleme oder die lange Durststrecke, die es am Anfang zu überstehen gilt. Ebenso ist aber auch der Fachkräftemangel im IT-Bereich für viele ein Problem, da die guten Entwickler zu den großen Unternehmen gehen. Wenn wir diese Probleme lösen könnten, wäre die Digitalisierung im Umkehrschluss auch für die KMU etwas einfacher.

2018-11-29T17:51:46+00:00