Die Schreibwerkstatt für IT-Erklärer – nicht nur im Marketing

 

Die Kluft zwischen Digital Natives und Digital Immigrants wird größer statt kleiner – was für die einen das tägliche Brot ist, ist für die anderen unverständlich und eine Quelle von Unbehagen und sogar Angst. Was können ITler tun, um vom Rest der Welt verstanden zu werden? Das erklären Dr. Christina Czeschik und Matthias Lindhorst in ihrem Buch „Weniger schlecht über IT schreiben“, erschienen im November 2018 bei O’Reilly (d.punkt).

Eine kurze Wikipedia-Recherche genügt, um zu sehen, warum IT-Fachleute geistig oft „unter sich“ bleiben: Dem Leser oder der Leserin mit wenig Vorkenntnissen werden schon im ersten Absatz Fachbegriffe und Abkürzungen um die Ohren gehauen, die vor allem eins erreichen: Vom weiteren Lesen abzuschrecken.

Dahinter steht keine böse Absicht, sondern der Wissensfluch: So bezeichnet man die geistige Tendenz, das eigene Wissen auch beim Gegenüber vorauszusetzen. Das klingt in der Theorie fast schon trivial, sorgt in der Praxis aber regelmäßig für frustrierte User und überforderte Leserinnen. Wer dagegen die zusätzliche Mühe auf sich nimmt, um die eigenen Texte bestmöglich auf die Zielgruppe abzustimmen und klar und verständlich zu strukturieren – und womöglich noch unterhaltsam zu gestalten – der wird belohnt: Mit treuen Lesern, begeisterten Kundinnen, sogar Fans.

Das Autorenteam Czeschik und Lindhorst hat sich schon bei einem ihrer früheren Buchprojekte, „Gut gerüstet gegen Überwachung im Web“ (Wiley-VCH, 2015), mit der Frage beschäftigt, wie sich Informationstechnologie und Informationssicherheit am besten einem Laienpublikum nahebringen lassen – nicht nur sachlich richtig, sondern lebendig, einleuchtend, unterhaltsam.

Lindhorst dazu: „Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass von der Kommunikation zwischen ITlern und allen anderen die Zukunft unserer Zivilgesellschaft abhängt. Nutzer sollen verstehen, was mit ihren Daten passiert, und nicht rein passive Konsumenten von Diensten sein. Aber man kann niemandem ein zweites Studium zumuten, um das zu erreichen – die Informationen müssen mundgerecht und spannend verpackt werden.“

Czeschik ergänzt: „Als Ärztin und Medizininformatikerin habe ich gesehen, dass Mediziner und Informatiker im besten Fall wenig und missverständlich miteinander kommunizieren – und im schlechtesten Fall gar nicht. Das behindert unter anderem die Entwicklung von nutzerfreundlichen digitalen Systemen im Gesundheitswesen – und Studien haben gezeigt, dass diese Defizite sogar Leben kosten können.“

Weniger schlecht über IT schreiben – Die Schreibwerkstatt für IT-Erklärer“ ist im Verlag O’Reilly (d.punkt) in der „Weniger schlecht...“-Reihe erschienen und kostet 19,90 EUR. Die ISBN lautet 978-3960090632.

Aus dem Inhalt:
- Mein Leser, das unbekannte Wesen
- Big und Little Data: Recherche und Quellenangabe
- GOTO considered harmful: Texte klar strukturieren
- Ausdruck vor Eindruck: Verstanden statt gefürchtet werden
- Erzähl mir nix: Storytelling
- Auftragen, polieren, einatmen, ausatmen: die Überarbeitung
- Prokrastination 101: (Un)produktiv sein
- Press Any Key: Was möchten Sie schreiben? E-Mail, Artikel, Buch & Co.
- Schöner leaken: Texte veröffentlichen

Was ist der wichtigste Schritt, den IT-Fachleute unternehmen können, um sofort besser für ein Laienpublikum zu schreiben?

Die Autoren dazu: „Dass Sie sich Gedanken über Ihre Leserschaft machen müssen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Je besser Sie Ihre potenzielle Leserin kennenlernen, desto besser. Man kann hier beispielsweise wie im Marketing mit einer Persona arbeiten. Was aber bisher oft vernachlässigt wird: Sie müssen auch sich selbst als Autorin oder Autor kennenlernen! Was ist Ihre besondere Expertise, worüber wissen Sie mehr als alle anderen? Denn genau hier schlägt der Wissensfluch zu. Was sind Ihre persönlichen Vorlieben und Vorurteile? Erst, wenn Sie Ihren Ausgangspunkt kennen, können Sie den Weg zum Leser finden.“ Hier hilft das Buch mit Checklisten weiter, zusätzlich zu den zahlreichen praktischen Übungen.

Die Autoren: Matthias Lindhorst ist Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung und Consultant im Bereich Cloud-Automatisierung. Dr. Christina Czeschik ist Medizininformatikerin und Fachautorin. Auf www.serapion.de bloggt sie über Digital Health und Informationssicherheit, und mit ihrem Team bei Intellicore Press (www.intellicore.press) unterstützt sie Technologie-Startups und etablierte Unternehmen mit überzeugendem Content – von Blogartikeln über Pitch Decks bis hin zu White Papers und E-Books, in deutscher und englischer Sprache.

Gastbeitrag von Dr. Christina Czeschik
Intellicore Press