Digitale Geschäftsmodelle: flexibel, skalierbar und kundenzentriert

Als 2011 das Thema Cloud-Computing bei einem ComIn Talk diskutiert wurde, haben nicht wenige Gäste noch herzhaft über diese neuen Dienste gelacht, weiß Andreas Weiss, Mitglied der Geschäftsleitung des eco – Verband der Internetwirtschaft, zu berichten. „Heute nutzen es alle, denn Cloud Computing macht Innovation bezahlbar!“ Ebenso wie Alexander Hochgürtel von der Q One GmbH beschrieb er beim 31. ComIn Talk am 8.10.2018 mit einem Impulsreferat die Veränderungen, die Unternehmen, Organisationen und Menschen durch digitale Geschäftsmodelle erfahren.

Digitaler Pott - Comin Talk

Andreas Weiss, Mitglied der Geschäftsleitung des eco – Verband der Internetwirtschaft, bei seinem Vortrag im Essener ComIn

Die hohen Umsatzsteigerungen der Branche (knapp 20 Prozent jährlich) und zum Teil ganz neue Wertschöpfungsansätze machen die Digitalisierung so spannend. Während es in der fortschreitenden Transformation noch darum geht, Prozesse zu optimieren und mit der relativen Sicherheit eines Bestandsschutzes mit nur bedingt skalierbaren Leistungen Umsatz und Marge zu erhöhen, stellt sich die Disruption bereits ganz anders dar. Denn hier bricht sich längst eine gänzlich neue Denkweise Bahn – mit bisher oft noch unbekannten Abläufen, massiv skalierbaren Leistungen und gänzlich neuen Geschäftsmodellen. Dabei wird immer stärker in Services gedacht, die sich von keiner (Software-) Architektur vorschreiben lassen wollen, wie ihr Geschäft auszusehen hat, so Weiss. Dennoch: Datenschutz und Sicherheit sind die dabei begleitenden Herausforderungen.

Digitale Geschäftsmodelle im Vergleich

Die Bandbreite der neuen Geschäftsmodelle ist groß, aber sie lassen sich bisher prinzipiell in folgende Kategorien unterteilen:

  • Vertikale und horizontale Plattformdienste, die z. B. im Bereich der Mobilität greifen und transaktionalen Charakter haben
  • Smart Services in den Bereichen Smart Home oder Smart City, ebenso wie in Governance oder Healthcare, die einen steuernden Charakter aufzeigen
  • Business-Intelligence-Anwendungen, die zum Beispiel im Feld der Künstlichen Intelligenz analytischen Charakter besitzen

„Es wird immer stärker in Services gedacht, die sich von keiner (Software-) Architektur vorschreiben lassen wollen, wie ihr Geschäft auszusehen hat.“

Andreas Weiss

Die Handlungsempfehlungen sind vielfältig – aber umsetzbar!

Auch wenn ganz viel Neues in der Entwicklung steckt: Einige klassische Tugenden sind auch bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle durchaus hilfreich. Selbstredend sollten sich Unternehmen und Organisationen stets klare Ziele hinsichtlich ihrer Strategie, des Designs und des Betriebs vor und nach der digitalen Transformation setzen und dabei von vorneherein den Blickwinkel verändern. Die Miteinbeziehung von Digital Natives und die Offenheit gegenüber neuen Denk- und Arbeitsmodellen müssen grundlegend sein. Auch die nicht zu frühe Festlegung auf IT-Strukturen gilt als sichere Bank. Zudem sollten Unternehmen zunächst im Kleinen testen, bei allen Beteiligten für Transparenz sorgen und die Datensicherheit frühzeitig mit bedenken.

Erfolgsfaktoren aus Gründersicht

Alexander Hochgürtel, mehrfacher Gründer und internationaler Management-Berater für die Entwicklung und Umsetzung digitaler Innovationen, beschrieb im Anschluss die Kernerfolgsfaktoren für digitale Geschäftsmodelle aus seiner Sicht.

Digitaler Pott - Comin Talk mit Alexander Hochgürtel

Alexander Hochgürtel im Essener ComIn

 

„90 Prozent der Start-ups scheitern, weil der Markt das Angebot überhaupt nicht braucht!“

Alexander Hochgürtel

„90 Prozent der Start-ups scheitern, weil der Markt das Angebot überhaupt nicht braucht“, so Hochgürtel. Deshalb müsse an allererster Stelle die uneingeschränkte Nutzerzentrierung stehen. Als weiteren wichtigen Faktor benannte er die Flexibilität, die auch für digitale Start-ups gelte. „Wenn Instagram heute ganz plötzlich mit einer Kaufoption aufwartet, muss ich darauf reagieren können!“

Deshalb müsse sich das eigene Business-Modell stets schnell an sich ändernde externe Rahmenbedingungen anpassen lassen – ein steifer Business-Plan für die nächsten fünf Jahre helfe hier schlicht nicht weiter. Auch die Skalierbarkeit spiele eine enorme Rolle, wenn geringe Fixkosten dazu einladen, durch schiere Masse (in Form von Millionen von Nutzern) zu performen. Gleichzeitig sei es für alle im Unternehmen wichtig, immer zu wissen, warum man etwas eigentlich macht, warum selbst eine langweilige Kleinigkeit wie das exakte Pflegen von KPI-Tabellen eine enorme Bedeutung haben kann. Hier ist eine gelingende Kommunikation dringend gefragt.

„Sie müssen die Komfortzone verlassen und den Ort finden, an dem es magisch wird! Dieser Ort ist dort, wo Mitarbeiter ihr volles Potenzial abrufen können. Und es liegt an Ihnen, das zu unterstützen, statt zu unterdrücken!“

Alexander Hochgürtel

Aber auch in einem anderen Feld der zwischenmenschlichen Interaktion gilt es, sich mit dem Zulassen einer neuen Kreativkultur auch neuen Herausforderungen zu stellen: „Sie müssen die Komfortzone verlassen und den Ort finden, an dem es magisch wird! Dieser Ort ist dort, wo Mitarbeiter ihr volles Potenzial abrufen können. Und es liegt an Ihnen, das zu unterstützen, statt zu unterdrücken!“

Digitaler Pott - Comin Talk mit Networker NRW, Witschaftsförderung Essen, Vortragende und Diskutanten

Networker NRW, Wirtschaftsförderung Essen, Vortragende und Diskutanten beim 31. Essener ComIn Talk unter dem Titel Digitale Geschäftsmodelle: Grow or Go?

 

In der abschließenden Diskussion betonte eco-Geschäftsleitungsmitglied Weiss noch einmal, wie wichtig es sei, den richtigen Mindset für die Digitalisierung mitzubringen: „Die alte und die neue Welt müssen sich in gemeinsamen iterativen Prozessen annähern und Entwicklungen besser verproben. Die früher gängigen zeitlichen Dimensionen und Planungen sind heute schlicht betriebswirtschaftlicher Unsinn!“

Gastbeitrag von Michael Houben
Metamorphose | Büro für Marketing & Kommunikation