„Gesundheit in digitalen Zeiten“ lautete das Informations- und Diskussionsthema, zu dem sich im Rahmen der startupweek:RUHR am 26.09.2019 unterschiedliche digitale Spezialisten und an Digitalisierungsmöglichkeiten Interessierte im ruhr:HUB trafen. Dr. med. Fahimi-Weber nahm als erfolgreiche HNO-Fachärztin, Geschäftsführerin der dubidoc - Takuta GmbH und Akteurin im Digitalen Pott an der Podiumsdiskussion teil.

Nach der Gründung ihrer HNO-Praxis in Essen, der Übernahme zusätzlicher Praxen und der Zusammenarbeit mit weiteren Kollegen führte die Vergrößerung zu starken Patientenströmen und verbesserungswürdigen Prozessen, vor allem im Bereich der Terminvergaben. Dr. med. Fahimi-Weber suchte nach digitalen Wegen, fand aber keine zufriedenstellenden Lösungen. Schließlich gründete sie eine eigene Digitalfirma, mit der sie Dubidoc entwickelte, eine Software-as-a-Service-Lösung, die speziell auf die Bedürfnisse von Arztpraxen und deren Patientinnen und Patienten ausgerichtet ist. Letztere können freie Termine längst bequem von zu Hause oder von der Arbeit aus buchen.

In der Podiumsdiskussion punktete die Ärztin dort, wo andere vage blieben, mit sehr konkreten Antworten – so zum Beispiel auf die Frage, inwieweit sich Dubidoc als Software von anderen Programmen, die bereits im Gesundheitssystem im Einsatz sind, differenziert.

„Hier kann ich ganz konkret zwei Dinge benennen: Dubidoc ist ein lernfähiges System und erkennt z. B. über bestimmte Zeiträume, wann die meisten Notfalltermine hereingekommen. Die Software lässt sich dann so einstellen, dass in diesen ‚gelernten‘ Zeiten automatisch weniger online buchbare Termine eingestellt werden. Möchte eine Praxis hingegen dafür sorgen, dass sie z. B. ihre Schulterpatienten wieder häufiger sieht, so lässt sich auch dies variabel einstellen. Es können ganz nach Wunsch Schultertermine länger freigehalten werden. Ebenso kann die Praxis aber auch einen speziellen Rhythmus für solche Termine einrichten. So kann eine Praxis auch eigene wirtschaftliche Interessen berücksichtigen und steuern. Wir sprechen hier also von der Möglichkeit zur Kontingentierung und von einem KI-gesteuerten Management-System.“

Des Weiteren verfügt Dubidoc über eine Schnittstelle zu 80 Prozent derjenigen Software-Programme, die in den Praxen existieren – soweit der Gründerin bekannt, böte dies sonst niemand in der Form an. „Damit haben wir unseren Blick darauf gerichtet, was genau in den Praxen passiert, wie die Abläufe sauberer gestaltet werden können und wie sich zu diesem Zweck eine Software und deren Nutzung am besten in diese Abläufe integrieren lässt“, so die Geschäftsführerin, die als HNO-Fachärztin genau aus dieser Praxiswelt kommt.

„Dubidoc gibt sich dabei gegenüber den Patientinnen äußerst kommunikativ“, führt die Ärztin weiter aus: „Schon bei der ersten Online-Anmeldung erhalten die Patienten die auszufüllenden Unterlagen, wie z. B. eine Datenschutzerklärung. Patienten können auch Rezeptwünsche übermitteln und bei einem Besuch vorab in das elektronische Wartezimmer schauen. So können Sie genauer ablesen, wann sie zu Hause losfahren sollten. Für die Zukunft ist zudem geplant, auch noch aktuelle Verkehrsinformationen zu integrieren und so eventuelle Fahrzeiten noch besser planbar zu machen.“

Als praktizierende Fachärztin mit vielen Angestellten und Patienten kann Dr. Fahimi-Weber nicht über Langeweile klagen. Parallel ein Start-up zu gründen und eine Software zu entwickeln war und ist eine entsprechend hohe Doppelbelastung. Allerdings gab es auch viele wichtige Learnings, über die sie bei der Veranstaltung, die auch von vielen Studierenden besucht war, gern berichtete.

„Ein Start-up zu sein heißt auch, dass es ständig rauf und runter geht. Hat man etwas erreicht, zeigt man es dem ersten Kunden – und plötzlich läuft es doch nicht. Dann aber ist es irgendwann soweit: Alles funktioniert, die ersten, mir gänzlich fremden 20 Kunden wollen mein Produkt haben und dafür zahlen – was für ein Mega-Gefühl! Inzwischen sind wir längst weiter, befinden uns in der Skalierungsphase und besuchen auch erfolgreich Messen. Aber nachdem ich in der letzten Zeit häufiger international unterwegs war, in Japan, in Israel, in den USA, weiß ich inzwischen: Heute würde ich es anders machen. Ich würde die Entwicklung agiler angehen.

Auslöser bei mir war, dass wir in der Praxis 400 Anrufe am Tag hatten – das war problematisch. Das erste Konzept entstand dann am Küchentisch. Sehr, sehr viel später, als wir der Meinung waren, jetzt ist es endlich gut, haben wir die Software zunächst noch in sieben Praxen getestet. Da sind wir doch noch sehr deutsch und denken, dass alles erst 100-prozentig perfekt sein muss, bevor wir eine Marktreife attestieren und uns trauen, in den Markt zu gehen. Das ist oft Quatsch. Es geht viel schneller, wenn wir agiler agieren. Statt zweieinhalb Jahre Entwicklungszeit hätten wir vielleicht nur ein Jahr benötigt.“

Mit diesem Statement stieß Dr. Fahimi-Weber nicht nur bei den Studierenden auf größtes Interesse, sondern machte auch denjenigen Mut, die bereits in der Startphase ihres jungen Unternehmens stecken.