Ein Jahr Digitaler Pott: Messe & Networking für Macherinnen und Macher

Vor wenigen Jahren noch Nischenthema – heute aus keiner Branche mehr wegzudenken: die Digitalisierung. Sie ist aber kein Selbstzweck, sondern muss vor allem im Mittelstand ganz konkrete Probleme lösen und messbare Verbesserungen schaffen – sei es in Prozessen, bei Vertrieb und Marketing oder in der Produktentwicklung.

Digitaler Pott bietet Orientierung in digitalen Zeiten

Theoretisch klingt das gut – aber wie können Mittelständler neben dem Tagesgeschäft digitale Lösungen praktisch kennenlernen? Die Vielfalt an Technologien und Einsatzzwecken ist mittlerweile fast unüberschaubar: Virtual Reality, Augmented Reality, Cloud, E-Learning, 3D-Druck, Online-Shopping, Online-Terminvereinbarung… was bringt fassbare Vorteile im eigenen Unternehmen?

Hier setzt der Digitale Pott an. Projektleiterin Kirsten Pieper hat das Projekt gemeinsam mit Herrn Grone und Herrn Koschany (beide Interessengemeinschaft Essener Wirtschaft) und Herrn Fricke (Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH) initiiert. Der Digitale Pott ist eine Plattform, die etablierte Unternehmen mit digitalen Experten vernetzt – online und vor Ort. Das Prinzip: Etablierte Unternehmen können sich jederzeit mit Fragen oder Problemen an die Koordinatoren des Digitalen Potts wenden. Im Digitalen Pott wird Kontakt zur passenden Expertin oder zum passenden Experten aus der lokalen digitalen Wirtschaft hergestellt, die/der konkret weiterhelfen kann – alles vertraulich und unverbindlich.

Networking und Messe für Mittelständler und Digital-Unternehmer

Dieses Prinzip funktioniert nun schon seit einem Jahr erfolgreich in Essen und Umgebung. Da persönliche Treffen und das Gespräch vor Ort ein wichtiger Baustein des Digitalen Potts sind, gab es zu diesem Anlass das Messe- und Networking-Event „Ein Jahr Digitaler Pott - Digitalisierung LIVE erleben“ am 16.05. im ComIn an der Karolingerstr. 96. Einen ganzen Nachmittag lang hatten Mittelständler und digitale Experten die Gelegenheit zur Diskussion, zum Fragenstellen und zum Ausprobieren von Lösungen.

„Die Chancen der Digitalisierung gemeinsam nutzen“, unter dieses Motto hatte Projektleiterin Kirsten Pieper ihre Einführung in den Nachmittag gestellt. Welche Chancen sind das? Im Vordergrund stehen Effizienzgewinne durch Automatisierung und reibungslosere Abläufe, die den Mitarbeiter*innen – wie auch den Unternehmer*innen selbst – mehr Zeit für die eigentliche wertschöpfende Arbeit geben und Kosten sparen. Aber auch ganz neue Pfade können mit der Digitalisierung beschritten werden: Neue Kanäle für die Kommunikation mit Kunden werden eröffnet und vorher nie dagewesene Produkte werden entwickelt und somit die Kundenzufriedenheit gesteigert.

Digitalisierung: nur maßgeschneidert sinnvoll

Naturgemäß funktioniert erfolgreiche Digitalisierung daher auch nicht nach „Schema F“, sondern stets individuell auf das Unternehmen angepasst. „Je nach Branche und Betriebsgröße können Sie sich Ihr individuelles Digitalisierungs-Paket zusammenstellen“, lud Kirsten Pieper die Mittelständler ein.

Alle im Pott vertretenen Digitalexperten legen somit auch größten Wert darauf, dass ihre Lösungen auf die individuelle Situation des Mittelständlers zugeschnitten sind und sich kopfschmerzfrei anwenden lassen. So Benny Klingbeil von i1Box: „Wir helfen kleinen und mittelständischen Unternehmen ganzheitlich, und da reicht eine simple Beratung nicht. Die Lösungen müssen auch möglichst einfach bereitgestellt und gepflegt werden können. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch sucht unser Rechercheteam nach den passenden Softwarelösungen, die dann auf unserem Server vorinstalliert und vorkonfiguriert bereitgestellt werden. Und wenn sich im Laufe der Zeit die Geschäftsprozesse ändern, dann wächst unsere Lösung natürlich mit.“

Branchenvielfalt im Digitalen Pott

Philipp Süß vom Konstruktionsbüro Süß & friends war pausenlos im Gespräch mit Interessenten aus der produzierenden Branche wie auch aus Software-Unternehmen – vor allem, nachdem er von Moderator Michael Houben auf der Bühne interviewt worden war. „Ich bin immer wieder überrascht, wie kreativ vor allem auch Handwerksbetriebe über neue Geschäftsmodelle nachdenken und neue Technologien wie den 3D-Druck ausprobieren“, hob Süß hervor. Seine Firma bietet unter anderem industriellen 3D-Druck mit Kleinserienfertigung und Produktentwicklung.

Auch die Gesundheitswirtschaft ist vertreten: Dr. Shabnam Fahimi-Weber stellte das von ihrem Startup dubidoc entwickelte Online-Terminmanagement für Arztpraxen vor. Ihr ärztlicher Mitarbeiter PD Dr. Christoph Bergmann berichtete direkt aus dem digitalisierten Praxisalltag: „Die Praxis ist viel ruhiger geworden.“ Vor dubidoc, so berichtete Dr. Fahimi-Weber, habe man keine Chance gehabt, die 500 Patientenanrufe am Tag zuverlässig und mit gleichbleibender Qualität zu beantworten. Das Online-System habe die Patientenzufriedenheit verbessert und zudem Arbeitsplätze für nicht medizinisch ausgebildete Mitarbeiter*innen geschaffen.

Ein heißes Thema im Digitalen Pott sind 3D-Visualisierungen: Daniel Keßler entwirft diese schon seit 20 Jahren – seit 2015 nun auch mit seinem Startup Planetenwerft. Gerhard Schröder von Kreative KommunikationsKonzepte bietet 360°-Videos und 3D-Modelle mit Fokus auf Marketing-Anwendungen, während neomatt mit Virtual und Augmented Reality im E-Learning bereits so erfolgreich waren, dass sie bereits mehrere Preise für ihre Plattform next:classroom eingeheimst haben.

80% Förderung für Mittelständler vom NRW-Wirtschaftsministerium

Auf zahlreiche Angebote der im Digitalen Pott vertretenen Unternehmen ist übrigens der Digitalisierungsgutschein des NRW-Wirtschaftsministeriums aus dem Programm Mittelstand.innovativ! anwendbar, mit dem Digitalisierungsprojekte im Mittelstand mit bis zu 80% der Kosten gefördert werden.

Die Besucherinnen und Besucher der Messe gingen mit neuen Inspirationen und konkreten Projektplänen nach Hause: „Ich habe so viele neue Ideen mitgebracht, dass ich erst einmal drüber schlafen muss“, so eine Besucherin, „und vieles, über das ich bisher nur gelesen habe, hat jetzt für mich einen Sinn und konkrete Anwendungsmöglichkeiten gewonnen.“

Das bestätigte auch Stefan Wirtz vom Startup Code Piraten: „Es waren wenig Leute da, die einfach nur mal gucken wollten. Die meisten kamen mit klar umrissenen Herausforderungen und Fragen zu uns.“

Diese Messe, das bestätigten auch andere Ausstellerinnen und Aussteller, war keine Messe der Zuschauer, sondern eine der Macher.

Gastbeitrag von Dr. Christina Czeschik
Intellicore Press