Erfolgsgeschichte | Heuschmid Kerzen & OFIGO GmbH & CO. KG

Traditionsreiche Essener Kerzenmanufaktur vertreibt individuell gestaltbare Taufkerzen online

Wie ein sehr traditionell arbeitender Handwerksbetrieb sinnvoll an der digitalen Transformation teilhaben, sich damit moderne Vertriebswege schaffen und neue Kundengruppen erschließen kann – diesen Fragen stellten sich Christian Kaufhold, Geschäftsführer der Heuschmid Kerzen GmbH und Thorsten Spies, Geschäftsführer der OFIGO GmbH & Co. KG im Interview für den Digitalen Pott.

Bereiche

Produktion, Handwerk, Manufaktur

Herausforderungen

  • Moderne Vertriebswege schaffen
  • Überregionale Absatz-möglichkeiten erschließen
  • Traditionelle Arbeitsweise berücksichtigen

Lösung

  • Gemeinsame Marktanalysen
  • Fokussierung auf zunächst nur ein Produktsegment
  • Versand- und Rückabwick-lung ausgestalten
  • Externe rechtliche Beratung
  • Design-Sprints, Produkt-design und Prototyping mittels Scrum-Teams
  • Online-Taufkerzen-generator mit über 250.000 Varianten

Vorteile

  • Erschließen neuer Kundengruppen
  • Befriedigung des Kundenwunsches hin zu mehr Individualisierungs-möglichkeiten

Im letzten Jahrhundert gründete der Schwabe Adolf Heuschmid seine Kerzenfabrik in Essen-Rüttenscheid. Seitdem hat der Handwerksbetrieb ganz unterschiedliche Zeiten erlebt. Viele der im Betrieb mit der Hand gefertigten Kerzen werden an Kirchen ausgeliefert – davon wird es in Zukunft wohl immer weniger geben.

OFIGO ist ein auf digitale Transformationsprozesse und IT-Lösungen spezialisiertes Essener Unternehmen, das die Kerzenmanufaktur auf ihrem Weg als Projektpartner begleitet hat. Gemeinsam haben die beiden das Unternehmen Candely.de, einen Webshop für individuelle Kerzengestaltungen, auf den Weg gebracht.

Aufbruch aus der Klassik in die Moderne

Beide empfangen uns in der Manufaktur, die in einem Hof in Essen-Rüttenscheid liegt. Hier scheint die Zeit in den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts stehen geblieben zu sein, einfache Holzmöbel zeugen von gediegenem Understatement. Eine Frau aus einer Kirchengemeinde holt gerade Wachsplatten ab, mit denen die Kommunionkinder gleich im Unterricht ihre Kerzen verzieren wollen. Auf den Böden der hohen Holzregale stehen an drei Seiten des eng wirkenden Raumes an die hundert Kerzen. Mehr als ein Dutzend unterschiedlicher Osterkerzen ziert den Raum ebenso wie eine ganze Galerie an Taufkerzen.

„Wir sind ein Handwerksbetrieb, der seit 1927 und inzwischen in vierter Generation Kerzen und Kirchenzubehör für die Kirchen im Bistum Essen und der näheren Umgebung anfertigt und ausliefert. Die Beratung und der Service vor Ort sind dabei ganz wichtige Punkte“, erläutert Christian. „Wir sind mit unseren zehn Mitarbeitern ein Vollsortimenter für den Kirchenbedarf. Denn neben der eigentlichen Kerzenproduktion, die rund 90 Prozent unseres Umsatzes ausmacht, handeln wir mit Ölkerzen, Verzierwachsplatten, Kerzenleuchtern oder Messweinkännchen. Aber auch größere Gastronomien, die Wert auf eine hohe Qualität legen, gehören mit zum Kundenkreis.“

Bei der Beratung sei es zum Beispiel wichtig zu wissen, so Christian, wo eine Kerze stehen soll, wie lange sie brennt, ob sie sich in einem Gehäuse befindet oder ob es vielleicht Zugluft gibt. Muss sie dicker sein oder reicht auch eine dünnere Kerze? Wenn aus Kostengründen die Raumtemperatur in Kirchen herabgesetzt wird, so hat das einen direkten Einfluss auf das Abbrandverhalten einer Kerze. Das Material muss dann angepasst werden. „Das ist neben vielen weiteren Qualitätsmerkmalen mit ein Grund, warum es die richtige Kerze für einen bestimmten Zweck nun mal nicht beim Discounter gibt. Abgesehen davon werden bei uns keine künstlichen Duftstoffe oder Lacke und nur wenige ausgewählte Farbstoffe eingesetzt.“

Schon gewusst?

Bereits im 15. Jahrhundert schlossen sich die Kerzenmacher in Deutschland zu einer eigenständigen Zunft zusammen. Nach Schätzungen nutzt die Menschheit Kerzen sogar schon seit rund 5.000 Jahren. Vieles in einer Kerzenfabrik beruht also auf uralter handwerklicher Tradition.

Wie es dazu kam, dass Heuschmid sich eines Tages dazu entschied, mit dem Vertrieb über das Internet ganz neue Wege zu erproben

„Daran hat Thorsten von OFIGO tatsächlich großen Anteil gehabt“, räumt Christian ein. „Zwar kennen uns im Bistum Essen alle Kirchengemeinden, aber wir hatten schon häufiger darüber nachgedacht, wie wir uns einem weiteren Kundenkreis mit einer adäquaten Website darstellen können. Dabei sollten gar nicht alle Produkte dort mit Preisen vorgestellt werden, um nicht eine Art Handelskrieg zu entfachen. Also fokussierten wir – nach reiflicher gemeinsamer Überlegung und eingehenden Marktanalysen – neben der Selbstdarstellung ein ganz spezielles Terrain, nämlich das der Taufkerzen. Denn einerseits unterliegen diese kaum saisonalen Schwankungen, andererseits konnten wir feststellen, dass es in den letzten Jahren einen Trend zur Individualisierung gab, der sich auch schon bei Osterkerzen ablesen ließ. Im kirchlichen Kundenkreis aber schien die Internetaffinität viel zu gering.“

Frische Motive für neue Taufkerzen: Christian Kaufhold (links im Bild), Geschäftsführer der Heuschmid Kerzen GmbH, und Thorsten Spies, Geschäftsführer der Ofigo GmbH & Co. KG.

Thorsten nickt und ergänzt: „Dann haben wir ebenfalls gemeinsam überlegt, welche Größen und welche Motive sinnvoll sind, wie stark das Christliche sein soll, welche Farben infrage kommen oder wie genau die Positionierung des Motivs zu sein hat. Gleichzeitig mussten wir uns natürlich auch Gedanken machen, wie der Versand ausgestaltet wird, welche Rückabwicklungsmöglichkeiten angeboten werden, an welcher Stelle der Kaufvertrag zustande kommt und vieles mehr.“

Die Digitalisierung gestaltet sich am besten mit einem guten Partner, der auch die Langstrecke beherrscht

Bei all dem unterstützte OFIGO nicht nur mittels Mitarbeit an der Marktanalyse, der Übernahme der programmiertechnischen Arbeiten und langjähriger Methodenkenntnis in der Entwicklungsarbeit. Der Support spiegelte sich auch in Moodboards (die einen Eindruck von Stimmung und wesentlichen Aspekten von Entwürfen geben), in Klick-Prototypen, Customer Journey Analysen, Prozessdiagrammen und anderen Entscheidungshilfen wider, die eine Vorstellung vom späteren Shop, der möglichen Klickwege der User und der gesamten Prozesskette gaben.

„Das war für uns schon eine echte Herausforderung“, schmunzelt Christian. „Und es geht ja weiter. Wir haben gerade einige neue Motive gemacht. Die müssen fotografiert und später freigestellt werden, bevor wir die Kerzen im Konfigurator des Shops schließlich darstellen können. In naher Zukunft sollen im Shop noch Kommunionkerzen und Hochzeitskerzen angeboten werden.“

„In dem Projekt spiegelte sich auch gut unser gesamtes Leistungsspektrum, von den Design-Sprints über die in diesem Fall sechs Meilensteile der Entwicklung als Scrum-Sprints bis hin zur Aufbereitung von Marketing- und Sales-Unterlagen. Schließlich berieten wir auch bei der eigentlichen Gründung des neuen Unternehmens, für die wir ebenfalls relevante Impulse geben konnten.“

Thorsten Spies

Dabei reicht es natürlich nicht, einfach nur einen Shop zu haben, wie Thorsten anmerkt. „Die Leute müssen dich finden. Also ist die weitere Herausforderung, das Angebot im Internet über verschiedene Methoden sichtbarer zu machen, zum Beispiel über Social Media oder Google Adwords. Hier war die Auswahl der Suchbegriffe extrem wichtig. Gleichzeitig bauen wir Stück für Stück einen Ratgeber zum Thema Kerzen auf, der das Angebot im Netz ebenfalls sichtbarer machen soll.“

Christian zieht ein erstes Resümee: „In dem ganzen Prozess, der in etwa ein halbes Jahr gedauert hat, war es für uns sehr wichtig, einen Partner an der Seite zu haben, der nicht nur über das technische Verständnis verfügt, sondern auch seine externe Sicht auf viele, zum Teil auch inhaltliche und organisatorische Details kommuniziert, damit wir nicht an unserer vielleicht vorhandenen Betriebsblindheit scheitern.“

Inzwischen lassen sich mit dem Taufkerzen-Generator über 250.000 Varianten entwerfen. „Bis vor kurzem haben wir nicht eine Kerze doppelt gemacht, jede war anders. Damit haben wir selbst nicht gerechnet!“, bemerkt Christian und bestätigt damit den Trend zur Individualisierung.

Welchen Tipp hat der Geschäftsführer eines Handwerksbetriebes für andere Unternehmen, die ebenfalls vor Digitalisierungsprozessen stehen?

Christian muss nicht lange nachdenken: „Das Thema Zeit spielt bei der Digitalisierung eine große Rolle. Bezogen auf unseren Web-Shop meine ich damit, dass man nicht erwarten sollte, übermorgen etwas fertiggestellt zu haben und einen Tag später direkt Marktführer zu werden. Aber es gibt auch keinen Grund, sich entmutigen zu lassen. Nehmen wir nur die Auffindbarkeit bei Google: Das ist ein bisschen wie mit dem Finanzamt: Es kommt nicht sofort, aber es kommt! Dabei ist es auch viel Arbeit, aber wenn man dran bleibt, lässt sich auch Vieles schaffen. Also sollte man ruhig mutig sein!“

Euch beiden ganz herzlichen Dank für das Gespräch!

Fazit

Der Shop „Candely.de“ gibt im Zusammenspiel mit seinem Online-Konfigurator einen Eindruck davon, wie digitale Transformationsprozesse auch in Branchen verwirklicht werden können, wo man sie zunächst nicht vermuten würde. Im Zentrum steht die Möglichkeit zur individuellen Gestaltung, die sicher einen der Treiber in einer sich zunehmend individualisierenden Welt darstellt.

Das Essener Traditionsunternehmen hat als eher kleine Manufaktur mit einem starken Partner an der Seite ein vielversprechendes Digitalisierungsprojekt durchgeführt, das beispielhaft auch für andere Handwerksbetriebe interessant sein kann. Die Bestellungen für die Taufkerzen kommen nun aus zahlreichen Bundesländern.

Kontakt

Heuschmid Kerzen

Reginenstraße 59
D – 45130 Essen

Telefon: +49 201 772477

www.heuschmid-kerzen.de
info@heuschmid-kerzen.de

OFIGO GmbH & CO. KG

Amselstraße 5
D – 45134 Essen

Telefon: +49 201 616162-81

www.ofigo.de
hallo@ofigo.de