Hacker brechen in Rechner ein und stehlen Daten? Das Selbstverständnis der Hacker im Essener Hackspace Chaospott/foobar e.V.[1] – und von Hackern auf der ganzen Welt – ist ein anderes: Ein Hacker ist jemand, der kreativ mit Technik umgeht und ungewöhnliche Lösungen für Probleme findet. Mit Computern muss das gar nicht unbedingt etwas zu tun haben – so züchten Foodhacker beispielsweise Kombucha-Hefe und legen koreanisches Kimchi ein, Sleephacker experimentieren mit ungewöhnlichen Schlafrhythmen, und Biohacker sequenzieren die eigene DNA oder basteln an ihren Hörgeräten.

Der Essener Hackspace ist dabei gleichzeitig örtliche Niederlassung (Erfahrungsaustauschkreis – Erfa) des bundesweit bekannten Chaos Computer Clubs (CCC)[2]. Anders, als es die Darstellung des CCC in den Medien vermuten lassen würde, tauschen sich dort nicht nur IT-Spezialisten zu den neuesten Sicherheitslücken aus. Die Mitglieder und Gäste treffen sich vielmehr zum gemeinsamen Kochen, schauen Filme, diskutieren, spielen und besuchen gemeinsam Events.

Was führt die Mitglieder in den Club? „Ich mag interessierte, begeisterte, intelligente, konstruktive Menschen“, sagt Mitglied cbro. „Fast niemand kann noch ohne Berührung mit modernen Technologien leben. Bei uns kann man einen spielerischen und kritischen Umgang damit erleben
und erlernen.“
Aber auch das klassische Hacking an Hardware und Software steht für einige Mitglieder im Vordergrund: „Mein Lieblingsprojekt ist eine Hardware-Plattform, an welcher ich arbeite und für die ich noch nicht mal einen Namen habe. Die Umgebung des Chaospotts bietet Raum für extrem wertvolle Gespräche, die produktiv zur Entwicklung beitragen“, sagt ein anderes Mitglied. Die fahrenden Sofas und Matekisten, die unter der Federführung von Mitglied espy entstehen, sind auch überregional bekannt geworden.
Mitglied Hans Solo (auch das ein selbstgewählter Clubname) ergänzt: „Mein Lieblingsprojekt ist mit anderen herumzuhängen und dummes Zeug zu reden. Ihr solltet vorbeikommen und uns beim Gammeln unterstützen!“
Doch es wird sich keineswegs immer nur ausgeruht: Ende Februar hat der Chaospott die örtliche Konferenz Hack im Pott (HiP) organisiert, auf der zahlreiche Workshops zu Technik und Gesellschaft stattfinden[3]. Und neben den regelmäßigen offenen Treffen am Mittwoch abend und Sonntag nachmittag gibt es weitere regelmäßige Veranstaltungen wie das Eltern-Treffen „Tech Moms & Dads“[4] am 2. Samstag im Monat. Für Kinder engagiert sich auch das örtliche Team des deutschlandweiten Projekts „Chaos macht Schule“[5] - hier werden in den Schulen der Umgebung Vorträge vor Eltern und Schülern zum Thema Sicherheit persönlicher Daten im Netz gehalten.
Wer den Chaospott besuchen möchte, ist in der Sibyllastr. 9 (Hinterhofhaus, 1. Stock) an jedem Mittwoch Abend und Sonntag nachmittag willkommen. Wer zu anderen Zeiten vorbeikommen möchte, nimmt am besten über die Webseite vorher Kontakt auf.