Innovationspotenziale nachhaltiger Geschäftsmodelle

Im Rahmen der startupweek:RUHR präsentierte Patrick Bottermann vom Think and Do Tank CSCP (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production) in Wuppertal Analysemöglichkeiten und Herangehensweisen zur Nachhaltigkeit als Treiber für innovative Geschäftsmodelle. Fabian Glahn vom Kölner Start-up Kerbholz gab viele Einblicke in die Praxis junger und nachhaltig wirtschaftender Unternehmen. Der Workshop unter dem Titel „Der Business Case Nachhaltigkeit“ wurde von der IHK zu Essen organisiert und durchgeführt.

(V. l. n. r.): Patrick Bottermann und Fabian Glahn nahmen die Nachhaltigkeit als Treiber für innovative Geschäftsmodelle in den Fokus.

Nicht nur die Verbraucher, auch Investoren und Partner schauen verstärkt darauf, unter welchen Bedingungen Unternehmen produzieren. Wie werden die Arbeiter bezahlt? Wie steht es um die ökologische Vertretbarkeit der Herstellungsverfahren? Ist das Unternehmen in der Lage, einen tatsächlichen gesellschaftlichen Mehrwert zu produzieren?

Diese Aspekte und Fragen stellen längst ernstzunehmende Herausforderungen für Unternehmen dar. Gleichzeitig führen sie auch zu einer Neubewertung der Innovations- und Wachstumspotenziale von Unternehmen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass sich
gerade bei Neugründungen enorme Chancen bieten, mit an Nachhaltigkeit orientierten Alleinstellungsmerkmalen erfolgreich zu werden.

 

 

 

Man muss nicht alles selbst besitzen

Ein erstes Beispiel für eine innovative, nachhaltige Geschäftsidee steuerte Patrick Bottermann quasi im Selbstversuch bei. Er trug eine Jeans der Marke Mud, die er nicht gekauft, sondern nur für einen regelmäßigen monatlichen Betrag geleast hat. Mud verwendet in der Produktion neue, umweltverträglichere Methoden, setzt auf faire Produktionsbedingungen und einen Anteil von bis zu 40 Prozent recycelter Baumwolle in den Jeans. Ist die Hose abgenutzt oder gefällt sie nicht mehr, kann sie statt in den Müll entsorgt zurückgeschickt werden. Mit besonderen Verfahren wird dann die weiter nutzbare Baumwolle der Hose recycelt.

Es gilt, Verantwortung zu übernehmen

„Im Grunde geht es um den Einzug sozialer und ökologischer Aspekte in die DNA eines Unternehmens“, erklärte Patrick Bottermann. Er berät mit seinem Team vom CSCP sowohl lokale und regionale als auch nationale und internationale Partner und Kunden. „Dabei betrachten wir die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung bis hin zur Entsorgung“, berichtete er weiter.

Obwohl wir nur eine Welt haben, verhalten wir uns in der westlichen Welt, als hätten wir gleich vier davon. Unsere Gewohnheiten und Lebensstile haben zu einem ungeheuren Konsum geführt, der auf enormem Ressourcenverbrauch fußt. All das muss produziert und transportiert werden, vieles davon endet schließlich als Müll.

Beispiele nachhaltigen Unternehmertums

Dass es auch anders geht, zeigen sowohl hoffnungsvolle Projekte gestandener Unternehmen als auch die vielen neuen Ideen von Gründerinnen und Gründern für verantwortungsvolles Wirtschaften. So zeigte Fabian Glahn auf, wie das Unternehmen Kerbholz von Anbeginn an das Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung in den Kern der Unternehmensphilosophie aufgenommen hat und unter dem Motto „Designed to sustain – wir entwerfen, um zu

erhalten“ Uhren und Brillen produziert. Während sich zu Beginn alles um den Werkstoff Holz drehte, entstand mit der Zeit eine Accessoire-Kollektion rund um weitere natürliche Materialien wie Acetat, Schiefer und Marmor. Darüber hinaus stellten sich die Gründer auch ihrer sozialen Verantwortung und organisierten zudem einen nachhaltigeren Büro-Alltag. Dafür, dass sich so auch einfach mehr Spaß ergeben kann, steht auch der Begriff der Hedonistic Sustainability (etwa: nach Lustgewinn strebende Nachhaltigkeit), den sie über ihr Tun stellen. So hat das Unternehmen bereits über 10.000 Bäume gepflanzt und einen Verein gegründet, der sich aus 10 Prozent des Unternehmensgewinns finanziert und Projekte anschiebt, die einen nachhaltigeren Produktionskreislauf ermöglichen. Hierzu gehören Recycling, Upcycling, Aufforstung von Baumbeständen oder die Forschung nach neuen, nachhaltigeren Materialien, die den Verbrauch von Energie, Wasser und anderen Ressourcen reduzieren. Eine größere Spende ging zudem an das Projekt OCEAN CLEAN-UP des Niederländers Boyan Slat, der gegen den gigantischen PlastikTeppich im Pazifik vorgehen will.

Erstaunliche Materialien und neue Business-Ideen

Fabian Glahn berichtete auch, wie ehemalige Mitarbeiter von kerbholz das Wäschelabel erlich textil gründeten, das auf faire Produktionsbedingungen, die Verwendung von natürlichen und nachhaltigen Bio-Textilien und ein zeitloses Design setzt, das keinen kurzfristigen Modetrends unterliegt. Die Produkte werden in Deutschland und Osteuropa in Produktionsstätten mit regelmäßig geprüften Sozialstandards aus Baumwolle und/oder Modal (Zellulose von Pflanzenfasern der in diesem Fall österreichischen Buche) gefertigt. So wird auch mit einem der wenigen in Deutschland noch verbliebenen Hersteller auf der Schwäbischen Alb zusammengearbeitet, einem Unternehmen mit 100-jähriger Tradition. Bio-Polyamid auf Basis von Rizinus sorgt zudem bei Strumpfhosen für mehr Nachhaltigkeit. Umweltfreundliche Verpackungen, der sparsame Einsatz von recycelten Kunststoffen sowie ein CO2-neutraler Versand unterstreichen den Nachhaltigkeitsanspruch.

 

Veranstaltung Ende Oktober 2018 bietet guten Überblick

Manche der nachhaltigen, innovativen Themen scheinen auf der Straße zu liegen. Man muss nur darauf kommen. Patrick Bottermann lud auch deshalb alle Interessierten zum Abschluss-Event des CSR Hub NRW am 30.10.2018 in Essen ein. Dieser Hub ist ein Projekt des CSCP mit weiteren Kooperationspartnern, wie z. B. dem Business Angels Netzwerk Deutschland e. V. Die Veranstaltung findet ab 18:00 Uhr im Impact Hub Ruhr im Haus der Technik statt. Zur Eventseite geht es hier.

Gastbeitrag von Michael Houben

Metamorphose | Büro für Marketing & Kommunikation