Interview mit Marcel Hader und Tobias Wiedow, Geschäftsführer von ITsquare

„Auch bei der Entwicklung einer App geht es in Wirklichkeit um die solide Kenntnis der Prozesse dahinter!“

Marcel, Tobias, aus welcher Situation heraus habt ihr IT square 2014 gegründet?

Tobias: Wir studierten beide an der Fachhochschule in Gelsenkirchen und lernten uns über gemeinsame Freunde kennen. Nach dem Studium arbeitete ich als Freiberufler und kam so auch in engeren beruflichen Kontakt zu Marcel. Wir überlegten dann, ob wir nicht auch gemeinsam arbeiten können.
Da hast Du, Marcel, auch schon als Freiberufler gearbeitet?

Marcel: Ich war zunächst in einer kleineren Bochumer Firma tätig und ging danach zu einer größeren AG, bei der ich viele wichtige Erfahrungen sammeln konnte. Irgendwann reifte der Wunsch zur beruflichen Selbständigkeit und so habe mich ab 2012 umgeschaut, inwieweit ich auch freiberuflich arbeiten könnte. Zu der Zeit sind wir zwei dann wieder in den engeren Kontakt gekommen und haben uns schließlich ein Büro gesucht, um unter gemeinsamer Flagge Aufträge generieren zu können.

Wart ihr zunächst nur zu zweit unterwegs oder habt ihr den Start der Firma direkt mit weiteren Partnern oder Mitarbeitern hingelegt?

Tobias: Bis Stand heute, November 2017, sind wir zu zweit gewesen, werden uns nun aber Anfang 2018 vergrößern und auch Mitarbeiter einstellen – gleichzeitig haben wir unsere Netzwerk-Agilität verstärkt und arbeiten bald enger mit anderen Firmen zusammen.

Mit welchen Angeboten geht IT square denn heute in den Markt? Auf eurer Website featured ihr den Themenbereich Apps und weist darauf hin, dass ihr den Front-end wie Back-end-Bereich auch personell aufgegliedert habt.

Tobias: Wir haben sicher eine große Bandbreite an Kompetenzen, haben uns aber spezialisieren wollen. Während ich viele Jahre lang Backend-Entwicklung machte und Marcel die Front-end-Entwicklung – das alles im Java-Bereich – haben wir uns gefragt „Worauf haben wir am meisten Lust und worauf wollen wir uns spezialisieren?“. Bei einer Zwei-Mann-Firma wollten wir nicht ein „Wir können alles“ extern kommunizieren– selbst, wenn das in gewisser Weise der Fall ist. Denn auch bei einer App hast du eine Back-end-Komponente oder einen Prozess als Drumherum, damit die App überhaupt Sinn macht.

Marcel: Dabei heißt es ja oft „Ach, ihr seid also die App-Entwickler“, was suggeriert, dass das etwas sei, was auch der eine oder andere Student machen könnte, aber auch bei der Entwicklung einer App geht es in Wirklichkeit um die solide Kenntnis der Prozesse dahinter. Da ist es hilfreich, eine mehrjährige Berufserfahrung mitzubringen. Es braucht das Wissen, was genau sich denn überhaupt mit einer App besser abbilden lässt. Eine App ist ja kein Selbstzweck, vielleicht ist eine andere Lösung besser. Deshalb ist die Prozessbetrachtung ganz wichtig und hier begleiten wir den Kunden im Sinne einer ehrlichen Analyse. Dazu gehört auch, zu überlegen, ob eine Hybrid-App für unterschiedliche Betriebssysteme Sinn macht oder ob es besser ist, speziell in Android und iOS zu entwickeln. Das hängt meist davon ab, wie interaktiv der User mit der App umgehen kann. Je interaktiver, desto eher machen parallele Entwicklungen aufgrund der ganz unterschiedlichen User-Interfaces Sinn. Darauf haben wir uns spezialisiert – und übrigens auch personell aufgeteilt.

Nennt uns doch bitte eins eurer bisher erfolgreichsten oder auch spannendsten Projekte und beschreibt den Mehrwert, den der Kunde dadurch erfahren hat.

Tobias: Da möchten wir – neben unserer Arbeit für global agierende Banken oder Fluggesellschaften – einfach mal ein hübsches lokales Beispiel aus Essen nennen: Wir konnten einen sehr schönen Beitrag zum Essen Light Festival liefern. Der war nicht etwa statisch, sondern sehr interaktiv. Denn dort haben wir für den „Baum der Wünsche“, in den eine ganze Menge Technik hinsichtlich Licht und Audio installiert worden war, eine App entwickelt, die von den Besuchern heruntergeladen werden konnte. Über ein Voting per Handy konnten die dann mehrheitlich bestimmen, welche Sequenz an Illumination und Sound als nächster Wunsch in Erfüllung gehen sollte. Dazu gehörten natürlich auch das Aufsetzen einer entsprechenden Datenbank und die Verbindung zwischen eigentlicher Veranstaltungstechnik und dem Internet.

Das klingt, als könne man diese Idee sehr schnell auch weiterspinnen. Wo läge dann – etwas abstrahiert – der Nutzen einer solchen interaktiven Plattform?

Marcel: Damit wäre es problemlos möglich, zum Beispiel eine gewünschte höhere Verweildauer von Kunden an einem bestimmten Ort zu verwirklichen. Der Grad der Individualisierung oder der Content-Bereitstellung über eine App ist ja nahezu beliebig skalierbar.

Tobias: Warum nicht mal an eine digitale Schnitzeljagd denken? Bluetooth-Sender oder Nahfeld-Kommunikation mit NFC machen das doch möglich – in Verbindung mit einem Gewinnspiel oder einer Rabattaktion sicher interessant für den Handel.

Warum sollten KMU die Digitalisierung zukünftig stärker vorantreiben?

Tobias: Nun, viele tun das ja schon, und sei es nur durch den Einsatz von Excel-Tabellen. Dabei sind die weiteren Möglichkeiten nicht nur vielfältig, sondern häufig auch sinnvoll. Denken wir nur an immer wiederkehrende Maßnahmen wie eine Inventur. Oft genug werden hier billige Arbeitnehmer mit Strichlisten eingesetzt – eine zermürbende und noch dazu fehleranfällige Prozedur. Auf dem Markt befindliche Systeme aber sind nicht ganz billig – eine mittlere vierstellige Summe darf es dann schon sein. Deshalb kann es sinnvoll sein, darüber nachzudenken, ob ein eigenes System, das genau meine unternehmerischen Interessen abdeckt, nicht effektiver und zugleich auch kostengünstiger sein kann. Das geht, wie eines unserer Projekte bewiesen hat, wo die Kosten je Einheit mit Scanner letztlich unter 1.000 Euro lagen.

Marcel: Manchmal wäre es gerade für kleinere Unternehmen auch opportun, sich zusammenzuschließen, wenn der Schuh an derselben Stelle drückt. Das gilt insbesondere dann, wenn sie derselben Branche oder Zunft angehören. Hier sind sicher auch mal die Verbände gefragt, gemeinsam mit ihren Mitgliedsunternehmen, deren Beschäftigten und den innovativen Start-ups bezahlbare Lösungen für bekannte Probleme auf den Weg zu bringen. Und nicht zuletzt: Kleine und mittlere Unternehmen können ruhig auch einmal die Scheu vor Start-ups verlieren. Die überwiegende Mehrzahl der Gründer im digitalen Bereich hat schließlich schon viele Jahre Erfahrung gesammelt, sowohl in der Entwicklung, als auch in der Projektsteuerung und im professionellen Umgang mit Kunden.

Tobias, Marcel, vielen Dank für das Interview, die Einblicke und euren interessanten Hinweis auf die mögliche Transformationsrolle der Verbände.

2018-09-10T14:45:46+00:00